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Konkubinat oder Hochzeitsglocken?

Bei einer Heirat im Pensionsalter gilt es einiges zu bedenken. Nicht nur Gefühle und finanzielle Überlegungen sollten eine Rolle spielen, sondern auch erbrechtliche Folgen für mögliche Nachkommen. 

«Nach meiner Pensionierung habe ich einen Mann kennengelernt, der ebenfalls pensioniert ist. Wir unternehmen viel zusammen, gehen auch miteinander in die Ferien, hatten bis jetzt aber getrennte Kassen. Nun ist aus dieser schönen Kameradschaft Liebe geworden, und wir möchten zusammenziehen. Gefühlsmässig würde ich gerne noch einmal heiraten – aber ob es auch vernünftig ist?»

Auf jeden Fall ist das Dafür und Dagegen gut gegeneinander abzuwägen. Eine wichtige Rolle sollten in Ihren Überlegungen die finanziellen Verhältnisse sowie die familiäre Situation eines jeden Partners spielen.

Fall 1:
Beide Partner haben keine Nachkommen und sind in guten Einkommens- und Vermögensverhältnissen. Dies ist der unproblematischste Fall. Es sind wenig/keine Rücksichten zu nehmen.

Fall 2:
Beide Partner haben Nachkommen und sind in guten Einkommens- und Vermögensverhältnissen:

  • Bei der AHV sind Konkubinatspartner bessergestellt als Eheleute, weil bei diesen die Maximalrente auf 150 Prozent der AHV-Maximalrente limitiert wird. Dafür erhalten Konkubinatspartner im Todesfall keine Witwen- oder Witwerrente.
  • Bei der Pensionskasse hängt es von der jeweiligen Kasse ab, wie weit der überlebende Ehe- oder Konkubinatspartner in den Genuss einer Witwen- oder Pensionskassenrente kommt. Meistens ist es so, dass die Ehe, bzw. das Konkubinat, mindestens fünf Jahre gedauert haben muss.
  • In der Ehe wird eine gemeinsame Steuererklärung erstellt; Konkubinatspartner werden separat besteuert.
  • Ohne erbrechtliche Regelungen wird beim Tod eines verheirateten Partners das Nachlassvermögen je zur Hälfte dem überlebenden Gatten und den Nachkommen zugesprochen. In einem Erbverzichtsvertrag könnte der jeweilige Überlebende auf seinen Erbanspruch verzichten.
  • Sinnvoll ist der Einbezug der Nachkommen in eine erbrechtliche Regelung, wenn z.B. die Partner schon seit Jahren zusammenleben und mit der Heirat der Status gesetzlich neu geregelt werden soll.
  • Konkubinatspartner erben nichts voneinander. Mit einem Testament oder Erbvertrag kann aber die Partnerin oder der Partner begünstigt werden.

Fall 3:
Beide Partner haben Nachkommen und der eine Partner ist beim Ableben des anderen auf eine rechtliche Absicherung angewiesen:

  • Verfügt einer der Partner über eine Liegenschaft oder eine Stockwerkeinheit, in welcher beide Partner seit längerer Zeit zusammenleben, sollte sichergestellt werden, dass der Überlebende weiterhin darin wohnen kann. Die Absicherung im Konkubinatsfall erfolgt am besten mit der Einräumung eines Wohnrechts oder einer Nutzniessung.
  • Im Falle der Verheiratung kann in einem Ehe- und/oder Erbvertrag in Anrechnung an den Erbteil die Übernahme der Liegenschaft oder der Stockwerkeinheit – oder wie erwähnt auch die Einräumung einer Nutzniessung oder eines Wohnrechtes – zur Diskussion stehen. Die Beispiele zeigen, dass je nach Situation der einzelne Fall komplex sein kann. Eine gut überlegte Entscheidung – ob Heirat oder Konkubinat – soll zu einem ruhigen Lebensabend für beide Partner führen, insbesondere auch für den überlebenden Partner.

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Beitrag vom 17.11.2020
Arthur Soliva

ist Berater in Finanz- und Nachlassfragen bei Pro Senectute Graubünden, Alexanderstrasse 2, 7000 Chur, Telefon 081 252 75 83, finanzberatung@gr.prosenectute.ch, Internet www.gr.prosenectute.ch.