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So schützen wir uns richtig vor der Sonne

In Massen genossen, beflügeln uns die Strahlen der Sonne ungemein – und stimulieren Körper und Geist durchwegs positiv. Doch im Umgang mit der Sonne sind Vernunft und Vorsicht gefragt, denn wer es damit übertreibt, riskiert Kopf und Kragen.

Hautkrebs gilt in der Schweiz mittlerweile als verbreitetste Krebserkrankung überhaupt, rund 350 Menschen sterben jährlich an den Folgen übermässiger Strahlenbelastung, und jährlich kommen 1900 Melanom-Erkrankungen respektive 12 000 Fälle von weissem Hautkrebs dazu. Wie sich also richtig schützen? Wir haben bei Dermatologin Kerstin Haufe, Ibach SZ, nachgefragt.

Kerstin Haufe*, sind in der Sonne alle gleich oder müssen ältere Menschen besonders Acht geben, wenn sie im Strahlenmeer baden wollen?

Durchaus. Bei älteren Menschen ist die Pigmentbildung wie auch die Erneuerung der Zellen verlangsamt. Sie bekommen deshalb schneller Sonnenbrand und es dauert länger, bis dieser verheilt ist. Die Toleranz ist je nach Hauttyp etwas anders, generell aber lässt sich festhalten: Unsere Haut wird im Alter dünner und reagiert empfindlicher auf Sonnenlicht.

Man sagt, die Haut vergisst nie: Mit welchen Folgen?

Die Vorstufen der Krebsarten werden tatsächlich zahlreicher, mittlerweile sind oft bereits 50-Jährige davon betroffen. Dahinter wirken die vielen kleinen Schäden, die sich über die Jahre kumulieren. Die Haut reagiert in der Folge selbst auf schwachen Sonnenschein empfindlich.

Woher rührt das? Mittlerweile sollten doch alle möglichen Folgeschäden kennen.

Wir müssen uns vor Augen führen: Menschen werden heute regelmässig mit dem Thema Sonnenschutz konfrontiert und darauf sensibilisiert. Früher achteten nur wenige auf einen sorgsamen Umgang, weil das Wissen über die Folgen fehlte. Ausserdem hat die Kraft der Sonne zugelegt, denken wir nur ans Ozonloch.

Was raten Sie?

Ältere Menschen sollten besonders stark wirksame Sonnenschutzmittel nutzen, diese müssen einen UVB- und UVA-Schutz ausweisen. Der Schutz gegen UVA-Strahlen wird separat aufgeführt – und mit einem Kreis um den entsprechenden Schriftzug gekennzeichnet. Darauf sollten Cremes kontrolliert werden. Ich empfehle Produkte mit dem Faktor SF 50+. Wer eine optimale Wirkung erreichen will, muss die Cremes und Lotionen möglichst dick auftragen – am besten gleich am Morgen, auf alle unbedeckten Hautstellen. Nach mindestens vier Stunden gilt es diese Prozedur zu wiederholen, bei starkem Schwitzen oder nach dem Bad logischerweise weit früher. Darüber hinaus sollten die Sonnenschutzmittel die Haut befeuchten, weil diese mit den Jahren leicht austrocknet. Nicht vergessen: Sonnenschutzmittel sind nur bedingt haltbar, spätestens ein Jahr nach dem ersten Gebrauch sollten sie ausgewechselt werden. Die Sprays, Lotions und Cremes dürfen überdies nicht zu warm gelagert werden, das verkürzt ihre Haltbarkeit zusätzlich.

Worauf müssen wir sonst achten?

Medikamente können zusammen mit der Sonne zu fotoallergischen oder fototoxischen Hautausschlägen führen, diese sind sehr unangenehm. Wer beispielsweise Antibiotika, Antidiabetika, Blutdrucksenker, Rheuma-Präparate oderPsychopharmaka schlucken muss, sollte die Wechselwirkung mit dem Arzt klären. Ausserdem:Wir alle sind ständig dem Sonnenlicht ausgesetzt, selbst hinter Fensterscheibenoder bei Nebel – auch daran sollten wir denken. Und da der Haarwuchs im Alter dünner wird, stehen selbst Ohren und die Kopfhaut stärker im Sonnenlicht. Am besten ist, wenn wir die pralle Mittagssonne meiden, uns in den Schatten setzen und uns möglichst aktiv, also mit Kleidung, vor den Strahlen schützen.

Wir brauchen VitaminD, um uns gesund zu halten. Dieses kann die Haut nur im Sonnenlicht genügend bilden. Wenn wir uns rundum schützen: Ist dieser Mechanismus blockiert? Und falls ja: Was tun?

Experten raten trotzdem zu intensivem Sonnenschutz – und sollte ein Mangel an Vitamin D nachweisbar bestehen, entsprechende Zusatzpräparate einzunehmen. Denn: Auch ohne Sonnenschutz ist nicht garantiert, dass wir über die Haut genügend Vitamin D bilden. Das ist abhängig vom jeweiligen Hauttyp, aber auch von individuellen Faktoren.

Die Sonne: Erstaunliches und Kurioses

  • Ganz schön heiss: Auf der Sonnenoberfläche kann es bis 5500 Grad heiss werden, die Korona ­– die äussere Schicht der Sonnenatmosphäre – erreicht an gewissen Stellen Temperaturen von über drei Millionen Grad. 

  • Ganz schön lang: Sonnenlicht muss 149,6 Millionen Kilometer überwinden, bis es auf unsere Haut fällt. Um den langen Weg bei Lichtgeschwindigkeit zurückzulegen, dauert es 8 Minuten und 16 Sekunden.

  • Ganz schön alt: Forscher schätzen das Alter der Sonne auf 4,6 Milliarden Jahre. In dieser Zeit hat ihre Helligkeit um 40 Prozent zugenommen. Die Kraft der Sonne soll für weitere 5 Milliarden Jahre reichen.

  • Ganz schön blöd: Auch bei bedecktem Himmel dringen die UV-Strahlen auf die Erdoberfläche. Oft nehmen wir das erst gar nicht wahr, weil die Temperatur (Infrarotstrahlung) und das sichtbare Licht merkbar zurückgehen. Aber die Wolken filtern die UV-Strahlung nur wenig. Eine leichte, höher gelegene Wolkendecke reduziert diese nur um 5 bis 10 Prozent. Eine dicke Wolkendecke auf mittlerer Höhe reduziert die UV-Strahlenintensität um 30 bis 70 Prozent.

  • Ganz gut in Schuss: Innerhalb von nur einer Stunde liefert uns die Sonne mehr Energie, als die gesamte Erdbevölkerung pro Jahr verbraucht.

  • Ganz schön hilfreich: Schwarze T-Shirts halten die Sonnenstrahlen doppelt so gut von der Haut wie weisse – weil schwarze Fasern 97 Prozent der UV-Strahlen absorbieren. Engmaschige Industriefasern bieten überdies besseren Schutz als Naturfasern. Was auch hilft: Selbst Nutella bietet einen Lichtschutzfaktor von 9,7. Grund, der hohe Fettanteil der Creme.

*Dr. med. Kerstin Haufe führt in Ibach SZ die dermatologische Praxis dermamedica.