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Gefahr im Anflug

Auch Bienen und Wespen leiden unter den hohen Temperaturen. Der Stress macht sie aggressiver – und damit für Allergikerinnen und Allergiker gefährlicher. Fachleute raten Betroffenen, nun immer die Notfall-Medikamente auf sich zu tragen.

Von einer Insektengiftallergie sind in der Schweiz etwa 3,5 Prozent der Bevölkerung betroffen, jährlich führt dies zu drei bis vier Todesfällen. Im Sommer ist das Risiko besonders hoch, denn die Hitze setzt auch Bienen und Wespen zu. Um den hohen Temperaturen etwas auszuweichen, flüchten viele Menschen an heissen Tagen in die Kühle der Natur, sei es anBadeseen oder in den schattigen Wald. Begegnungen zwischen Insekt und Mensch sind damit vorprogrammiert. «Wenn die Insekten aufgrund von Hitze und Trockenheit weniger Nahrung finden, können Bienen nervös und Wespen aggressiv werden», sagt Jean-Daniel Charrière vom Zentrum für Bienenforschung der eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope.

Richtig verhalten

Allergikerinnen und Allergiker müssen in diesen Monaten besonders achtsam sein. «Sie sollten jetzt immer ein vom Arzt verschriebenes Notfallset auf sich tragen», sagt Sonja Hartmann, Expertin bei aha! Allergiezentrum Schweiz. Denn schon wenig Insektengift kann bei Betroffenen einen allergischen Schock (Anaphylaxie) hervorrufen und deren Leben bedrohen. Deshalb müssen Allergikerinnen und Allergiker umgehend nach einemStich die verordneten Medikamente wie Antihistaminika und Kortison einnehmen – oder sich allenfalls eine Adrenalinfertigspritze verabreichen. «Zudem ist sofort der Notarzt zu rufen unter der Telefonnummer 144 oder 112», so Hartmann

Aha! Allergiezentrum Schweiz hat auf seiner Homepage verschiedene Dossiers zum Thema zusammengestellt, etwa Broschüren zu Insektengiftallergien und spezifischen Immuntherapien. Ausserdem bietet die Institution auch telefonisch Gratis-Beratung an: Die Aha!infoline ist von Montag bis Freitag, zwischen 8.30 und 12 Uhr unter Tel. 031 359 90 50 erreichbar.

Hitze stresst auch Insektenvölker

Wespen und Bienen bedrohen Allergikerinnen und Allergiker, sind aber auch selber bedroht. «Die hohen Temperaturen bringen die Völker an ihre Grenzen», sagt Bienenexperte Jean-Daniel Charrière. Ein Wespennest, das zum Beispiel in einem Estrich hängt, kann nun überhitzen und die Brut sterben. «Bei der Honigbiene sind 34°C im Nest optimal, um Larven und Puppen auszubrüten», so Charrière: «Liegt die Temperatur darüber, wird es problematisch für die Insekten.» In südlichen Ländern legen die Bienen daher im heissen Sommer – wie in unseren Breiten im Winter – einen Brutstopp ein: Weil die Bienen die 34°C-Bruttemperatur nicht aufrechterhalten können.