© Berner Wanderwege

Durch Auenwälder entlang der Alten Aare

Vor der Juragewässerkorrektion in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts überschwemmte die Aare regelmässig die fruchtbaren Böden des Berner Seelands. Eine Wanderung entlang der Alten Aare führt durch diese ursprüngliche Auenlandschaft.

Text: Usch Vollenwyder

Vom Bahnhof Lyss aus – das Städtchen liegt zwischen Bern und Biel – führt der Wanderweg aus dem Dorfzentrum hinaus über den Lyssbach, unterquert entlang der stark befahrenen Bielstrasse die Bahnlinie Lyss-Kerzers, biegt ein in ein beschauliches Einfamilienhausquartier mit gepflegten Vorgärten und windet sich schliesslich in den Wald hinein ans Ufer der träge dahinfliessenden Alten Aare. Sofort wähnt man sich in einer anderen Welt: Vom Verkehr ist kaum noch etwas zu hören, die Luft ist klar und kalt, der Waldboden weich und – nach dem Gehen auf Asphalt – eine Wohltat für die Füsse.

Von nun an führt der Wanderweg während rund einer Stunde durch dichten Auwald flussaufwärts Richtung Aarberg. Hohe Laubbäume, niederes Gestrüpp, Sträucher, Kletterpflanzen, Büsche und umgestürzte Baumstämme säumen den Weg und das alte Aareufer. Etwa in der Weghälfte kreuzt man die Lyss-Kappelen-Brücke und unterquert bald darauf die Autobahn, um danach wieder in die urtümliche Welt der Auen einzutauchen. Erst kurz vor Aarberg – nach etwa einer Stunde Wanderzeit – führt der Weg aus dem Wald hinaus. Bald sind die ersten Wohnquartiere des kleinen Städtchens erreicht, und das schmale Teersträsschen steigt durch den ehemaligen Stadtgraben hinauf zum historischen Stadtplatz, dem Zentrum Aarbergs.

Auenlandschaft und Flusskanäle

Der ursprüngliche Flusslauf der Aare mäandert zwischen Aarberg und Büren durch die flache Landschaft. «Alte Aare» nennt sich dieser unbefestigte Flussabschnitt, der mit seinen insgesamt fünfzehn Kilometern Länge zum längsten zusammenhängenden Altwassersystem der Schweiz gehört. Auen säumen seine Ufer – Lebensräume, die dem ständigen Wechsel von Feuchtigkeit und Trockenheit unterworfen sind. Die Vegetation in diesem Übergangsbereich zwischen Wasser und Land bietet Heimat für Fische, Vögel, Amphibien und kleine Säugetiere. Heute stehen die wenigen natürlichen Gewässerstrecken mit ihren Auengebieten, die es in der Schweiz noch gibt, wegen ihrer wichtigen Rolle im Wasserhaushalt, ihrer biologischen Vielfalt und ihrer Naturschönheit unter besonderem Schutz.

Die Ufer der Alten Aare sind wegen der dichten Vegetation nur schwer zugänglich. Hin und wieder führt ein Trampelpfad ans Wasser, das kaum Gefälle aufweist und deshalb auch nur mit einer Geschwindigkeit von fünf bis sechs Kilometern Richtung Büren strömt. Wegen dieses geringen Gefälles war dieser Teil des Aaregebiets in früheren Zeiten ein versumpfter und oft überschwemmter Landstreifen. Erst dank der beiden Juragewässerkorrektionen in der zweiten Hälfte des 19. und um die Mitte des 20. Jahrhunderts konnte die fruchtbare Ebene im Berner Seeland entwässert werden.

Dabei wurde die Aare ab Aarberg via Hagneckkanal in den Bielersee umgeleitet und fliesst erst bei Büren wieder in ihr altes Bett zurück. Dank der verschiedenen Kanäle, die den Pegelstand und die Abflüsse der drei Jurarandseen regulieren, konnte die fruchtbare Ebene landwirtschaftlich genutzt werden. Heute gilt das Grosse Moos im Berner Seeland als eine der bedeutendsten Gemüsekammern der Schweiz. Am besten lässt sich diese Ebene über den «Gmües-Pfad» mit dem Fahrrad entdecken: Sechzig Informationstafeln beschreiben die sechzig verschiedenen, im Seeland angebauten Gemüsekulturen.

Mittelalterstädtchen Aarberg

In Aarberg lohnt sich ein Spaziergang über die alte, gedeckte Holzbrücke. Ihre Vorgängerin, ein einfacher Übergang, war während Jahrhunderten die einzige Flussüberquerung zwischen Bern und Büren an der Aare. An ihm wurde ein Brückenzoll erhoben, und dank der strategisch günstigen Verkehrslage wurde aus Aarberg im Mittelalter ein blühender Markt- und Handelsort. Ein grosser Teil des kulturellen Lebens spielt sich bis heute auf dem grossen, ovalen Stadtplatz ab, der von historischen Gebäuden mit kleinen Geschäften und Restaurants umrahmt ist. Müde Wanderer finden überall einen Platz zum Einkehren – für ein kaltes Bier oder ein Glas Wein, einen kleinen Imbiss oder ein währschaftes Mittagessen.

Gedeckte Holzbrücke in Aarberg © Aarberg Tourismus