© Televista

«Wir haben euch nicht vergessen» Stephan Klapproth im Interview

Ex-«10vor10»-Moderator Stephan Klapproth will Seniorinnen und Senioren mit einer neuen Sendung Mut machen. Er spricht mit Persönlichkeiten wie Franz Hohler oder Emil Steinberger.

Text und Interview: Fabian Rottmeier

«Grüsse von Stephan Klapproth»: So heisst eine neue Sendung auf dem Zürcher Regionalfernsehsender Televista, die sich bewusst an ältere, coronaisolierte Menschen richtet. In der ersten Ausgabe schildert der frühere SRF-Moderator eine unvergessliche Episode aus seiner TV-Karriere, als er Ende der 1990er-Jahre unfreiwillig in einer psychiatrischen Anstalt festgehalten wurde – in Turkmenistan. Die Isolation, die derzeit viele ältere Menschen durchstehen müssen, hat ihn an diese bangen Stunden erinnert. Die Botschaft, mit der sich der 61-Jährige in der bei ihm zu Hause selbst produzierten Sendung an seine Zuschauerinnen und Zuschauer in den Alterszentren richtet, lautet: «Wir haben euch nicht vergessen.»

Ende April strahlte Televista die zweite Sendung aus, diesmal mit einem Gast: Franz Hohler. Klapproth unterhält sich in dieser Folge mit dem Schriftsteller per Videoanruf über dessen neues Buch und den Alltag in Coronazeiten. Franz Hohler erzählt ihm dabei unter anderem, dass er ein «Pandemielehrling» sei. Stephan Klapproth plant nun, in unregelmässigen Abständen weitere Gäste anzurufen. Als nächsten Interviewpartner konnte er den Kabarettisten Emil Steinberger für sich gewinnen. Die Sendung ist seit 15. Mai hier verfügbar.

Die Zeitlupe hat mit dem Fernsehmoderator und Politikwissenschaftler über die Hintergründe der neuen Sendung gesprochen.

Herr Klapproth, wie kam es dazu, dass Sie sich in Zeiten des Coronavirus mit einer selbstgemachten Sendung an ältere Menschen wenden?
Eine frühere Kollegin von «10vor10», die in ihrer Freizeit ältere Menschen in Alterszentren besucht, erzählte mir, wie schlimm es sei, dass dort keine Besuche mehr erlaubt sind. Ihre Worte haben mich bewegt. Beim Kajakfahren, einem Hobby, dem ich das ganze Jahr über wöchentlich dreimal nachgehe, hat mich diese Situation wiederholt beschäftigt. Während ich paddelte, kam ich auf die Idee, ich könnte diese Menschen, die mich vielleicht noch vom Fernsehen her kennen, als Aufmunterung via Bildschirm besuchen – mit selbstgebastelten Sendungen, von meinem Schreibtisch aus. Am Ufer angekommen, entschied ich mich dazu, die Sache anzugehen.

Ist Ihr Hobby wertvoller geworden, weil Sie es trotz Corona immer noch ausüben dürfen?
Ja, es ist ein grosses Glück, in einer so eigenartigen Zeit eine Leidenschaft zu haben, die so viel Social Distancing mit sich bringt, wie kaum eine andere Beschäftigung. Nur Taucherli und Enten kommen einem dabei nahe, und die sind ja von Bundesrat Berset weiterhin zugelassen. Der Kajak-Sport ist mein philosophischer Ausgleich und gibt mir Gelegenheit, über alles Mögliche zu reflektieren. Er ist ideal, weil man dabei buchstäblich etwas Distanz gewinnt und ihn ausüben kann, ohne jemanden zu erschrecken. Trotzdem fehlen mir die Menschen, die normalerweise das Ufer säumen. Wenn auf einmal alles fehlt, auch die Boote auf dem See, kommt sich vor wie in einem früheren Computer-Simulator.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Sender Televista?
Ich bat einen Kollegen, mit dem ich ebenfalls bei «10vor10» zusammengearbeitet habe, mir ein kleines Intro für die Sendung zu gestalten. Da er mittlerweile Programmleiter beim Walliseller Fernsehsender Televista ist, schlug er mir vor, «Grüsse von Stephan Klapproth» dort auszustrahlen, statt sie bloss als Internetlinks zu verschicken. Schliesslich sei Televista in der ganzen Schweiz zu sehen.

Macht dieses eingeschränkte Arbeiten, zu Hause und mit einfachsten Mitteln, automatisch auch weniger eitel?
Ich glaube, ich habe diesbezüglich wie viele andere auch die Erfahrung gemacht, dass man in einer solchen Krisenzeit alle Eitelkeiten abstreifen sollte. Das ist vermutlich ein eher heilsamer Effekt. Es darf alles «handgebastelt» aussehen. Diese Rückkehr zum Selbstgezimmerten hat doch auch einen gewissen Charme. Vielleicht besinnt man sich dadurch vermehrt auf den Kern und das Wichtige: den Inhalt. Mein Ziel mit «Grüsse von Stephan Klapproth» ist es, etwas geistreiche Unterhaltung zu bieten. Nicht mehr und nicht weniger.

Die ganze Sendung zum Anschauen:

Was macht Stephan Klapproth heute?

Fernseh-Moderator Stephan Klapproth

© SRF/Oscar Alessio (2014)

23 Jahre lang moderierte Stephan Klapproth die Nachrichtensendung «10vor10», bevor er sein Engagement vor knapp fünf Jahren beendete. Er hatte sich mit seinem Wortwitz zu einem der bekanntesten Gesichter bei SRF gemacht. Seither ist der 61-Jährige selbstständiger Unternehmer und lässt sich mit seiner Firma «What’s your point» als Moderator – meist für Kongresse – buchen. Seine Frau plant, organisiert und bereitet seine Auftritte vor. Zudem ist der am Zürichsee wohnhafte Luzerner seit vielen Jahren an verschiedenen Universitäten als Dozent tätig. An der ETH Zürich beispielsweise als Kommunikationsausbildner für Architektinnen und Architekten, wie er anfangs Jahr gegenüber «Zentral plus» verriet.